Prof. em. Dr. Wolfgang Benz aus Berlin ist Historiker und beschäftigt sich mit Vorurteilsforschung, Antisemitismus und Anti-muslimischem Rassismus. Mit einem Vortrag und anschließendem Gespräch ist er Teil der aktuellen Reihe Forum Positionen.
Der Gaza-Krieg polarisiert die deutsche Gesellschaft in Freund-Feind-Denken. Antisemitismusverdacht wird auf der einen, pauschale Muslimfeindschaft auf der anderen Seite politisch instrumentalisiert. Was ist Antisemitismus? Ist Kritik an Israel erlaubt? Wenn ja, in welcher Form? Notwendig sind klare Definitionen, um Positionen zu klären. Sympathie für die jüdisch-israelische Seite darf Verständnis für Palästina nicht ausschließen."
Zur Person:
Wolfgang Benz (* 9. Juni 1941 in Ellwangen/Jagst) ist ein deutscher Historiker der Zeitgeschichte und international anerkannter Vertreter der Vorurteilsforschung, der Antisemitismusforschung und der Nationalsozialismus-Forschung. Er lehrte von 1990 bis 2011 an der Technischen Universität Berlin und leitete das zugehörige Zentrum für Antisemitismusforschung, dessen Jahrbuch er bis 2011 herausgab. Benz gehört zu den Unterzeichnern der Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus, die für sich beansprucht, den Antisemitismusbegriff neu zu definieren. Dennoch hält Benz auch die ältere IHRA-Definition für einen wichtigen Meilenstein. Benz gehört dem wissenschaftlichen Beirat des von Farid Hafez herausgegebenen Jahrbuchs für Islamophobieforschung an.
Im Dezember 2008 leitete Benz eine eintägige Konferenz am Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung zum Thema „Feindbild Muslim – Feindbild Jude".Gegenüber Kritik am Tagungskonzept betonte er, als Vorurteilsforscher zum Antisemitismus müsse man lernen, „ob nicht mit demselben Mechanismus auch gegenüber anderen Minderheiten [...] Unheil gestiftet werden kann". Der Hass gegen das Judentum und den Islam ähnele sich vor allem in Verschwörungsfantasien und Behauptungen von religiösen Geboten: So wie man Juden Aussagen des Talmud vorhalte, halte man Muslimen Aussagen des Koran vor. Beide Religionen würden beschuldigt, bösartig und inhuman zu sein und unmoralisches Verhalten gegenüber Andersgläubigen zu verlangen. Die Vorwürfe, Juden betrachteten sich als auserwählt und müssten feindselig gegen Nichtjuden sein, gebe es auch gegen Muslime.
Anlässlich seiner Emeritierung 2010 wurde Wolfgang Benz die Goldene Ehrennadel der TU Berlin verliehen. Charlotte Knobloch würdigte Benz für „seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Antisemitismusforschung", sie seien „in Europa singulär und haben weltweit Maßstäbe gesetzt". Mordechay Lewy bescheinigte ihm „aufklärerische Berufung, [...] den Leugnern der Shoa effektiv entgegenzutreten".
2012 erhielt er den Preis Gegen Vergessen – Für Demokratie für seine Verdienste „für die Erinnerungskultur in Deutschland und sein gesellschaftliches Engagement gegen Vorurteile und gegen Fremdenfeindlichkeit".
2025 wurde Benz das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen (Wiki, TU Berlin)
Moderation: Ralf Rummel-Suhrke
Wann?
Mittwoch, 10. Juni 2026
18:00-19:30 Uhr
Wo?
Großer Seminarraum 01 B 02 (Verwaltungsgebäude, 1. Obergeschoss)
oder Digital (Zoom)
https://hks-ottersberg.zoom.us/my/seminar.torke?pwd=OXU3MXA2WnJ0a0pwTGJ4aUxmdGdzdz09
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06. bis 10. Juli 2026
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