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Venezuela-Blog

Lionel Tom
Student der Theaterpädagogik

Ressourcen wieder schazten lernen

Nachdem wir fuer unsere Maskenperformance einen Raum mit 40 groszen Saecken voll Blaetter bestueckt hatten, startete der Maskenbau. Das Laub mussten wir muehsam zusammensammeln, weil unsere Laubquelle, ein studentischer Innenhof, zufor gereinigt wurde. Das Land ist voller Muell und diese Bloediane raeumen das Laub weg.
Inzwischen waren alle warm geworden, die Ideen sprudelten aus den Koepfen und fanden zuegig den Weg zur Tat.
Probleme gab es nur manchmal beim Material. Hier laeufts anders, als einfach den Zuendschluessel umdrehen, ab ins Bauhaus, da hol ich was ich brauch raus... Nein, Besorgungen brauchen Zeit, 10kg Gips, werden in zwei Tagen an drei verschiedenen Orten organisiert. Das tut aber auch gut!
Das Leben wird entschleunigt, Kreativitaet und Improvisationtalent sind gefragt und es wird EINE Handlung zur Zeit ausgefuehrt. Nicht alles auf einmal. Ressourcen sind wertvoll. Ein Rest ist besser als nichts!!! Schluss mit Ueberfluss? Oft muessen wir von dem Bild unserer Vorstellung abruecken und uns dem anpassen was moeglich ist. Das weitet den Blick fuer den Moment und fuehlt sich gut an, denn was hab ich davon 300 Sachen in 20 Minuten zu machen und zu besorgen, um irgendeine komplexe Erwartung zu erfuellen?(Kapitalismuskritik in Kurzform)

Die Popel sind schwarz, genauso wie die Lack gefaerbten Finger und die Nacht ueber Maracaibo. Nach 2 Tagen Arbeit sind die Masken beinahe fertig - einen Tag vorm Start der Velada Santa Lucia. Ich sitze rauchend in der Strasze und geniesse das Gedusel um mich herum. Alle machen ganz friedlich nichts, irgendwas oder Kunst. Ich bin Teil davon. Vorfreude. Was hier passiert ist entspannt und das Gegenteil von Stillstand.

Dann ist es soweit... der brutale Wecker pruegelt uns aus den Laken und die Muedigkeit triumphiert ueber ihre Koerperkontrolle. Letzte Vorbereitungen, Liebe fuers Detail! Gegen Abenddaemmerung ist die Strasze schon ausreichend gefuellt, in etwa wie ein verkaufsoffener Sonntag mit Rummel in Stade. Es ist zu vermuten, dass daraus eine Menschenmasse wird, in der es nicht mehr moeglich ist umzufallen.
So kommt es auch. Fotografierende Besucher_innen, es ist bunt. Jedes Haus, jede Wand, jeder Stand, alles ist, macht oder wird gerade Kunst, bzw. Versorgung fuer Kunstbegeisterte. Rote Clownsnasen, selbstgemachtes Fastfood, traditionelle Instrumente, Lacke, Stoffe, Plastik allerlei, Bonbon-artige Bemalungen und leuchtende Installationen. Reizueberflutung. Versteckte Ecken bieten Ueberrauschungen, Guckloecher bieten Zugang in neue Welten.
Der Motivator auf dem Rummel wuerde sagen: hier ist fuer alle was dabei! Unsere Maskenperformance laeuft und kommt sehr gut an. Soviel Publikum hatte ich als Kuenstler selten. So viele schwarze Popel inzwischen zu oft. 

Auch der zweite Veladatag ist ein voller Erfolg. Ein kompletter Gang durch alle Haeuser zeigt mir, wie umfangreich dieses Festival ist. Niemals koennte ich alles sehen und ich will mehr. Nochmal!

Die Velada-Nachfeier und somit auch der Anfang vom Abschied endet in Pollos Atelier, das wir erst bei laengst aufgegangener Sonne verlieszen. Was da an Bier, Cuba-Libre, Trash-Mucke, Dancemoves und herzlicher Abfahrt abging, geht auf keine niedersaechsische Kuhaut. Zum Glueck blieb, nach aktuellen Erkenntnissen, bei allen der Mageninhalt wo er hingehoert, wovon nach dem intensiven Rummischerfahrungen auf der Velada nicht auszugehen war. Lustig wars und inzwischen sind wir eine Familie.

Am Tag danach:
Das Lachen ist mir vergangen und ich halte schlaflos mit letzter Kraft auf, was einst Augen waren.
Alle kaputten Koepfe kommen zum aufraeumen zusammen und um der Velada die letzte Ehre zu erweisen. In bester Zombimarnier tun wir, was getan werden muss und bringen unsere rumverfurchten Feiervisagen noch ein Stuendchen ins Bett, bevor wir uns zur Reflektion unseres Projektes treffen.

Insgesamt grosse Zufriedenheit, den Umstaenden entsprechend. Spannend wird jetzt den Haufen zu uns zu bekommen. Schwierig vor allem, weil der Bolivar immer weiter im Kurs faellt und somit das auf der Velada erwirtschaftete Geld fuer immer weniger Fluege fuer unsere Venezuelanischen Freunde reicht. Fuer fuenf von uns gehts jetzt erstmal ab nach Kolumbien, wenn unsere Bemuehungen einen Bus ueber die Grenze zu erhaschen nicht scheitern...

bis denne, lio


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