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Venezuela-Blog

15
September
Franziska Pohl Franziska Pohl
Studentin der Kunsttherapie
22.10.1987

Abschlussparty

Heftig gefeiert wurde nun auch der Abschied / Abschluss des Projektes hier in Deutschland. Gestern Abend haben wir alle noch einmal die Gelegenheit genutzt gemeinsam die restlichen Cuba Libre Vorräte zu vernichten. Bei lauter Musik und jeder menge guter Laune wurde in gewohnt Venezuelanischer/Deutscher Manier getanzt, getrunken, gesungen und gefeiert bis die Fetzen fliegen. Ein alles in allem würdiger Abschluss dieses Austauschprojektes. Die HKS hat gewackelt bis in die frühen morgen Stunden als auch die letzten den Weg in ihre Betten gefunden haben.
Nun sitzen wir alle zum letzten mal im Rahmen des Projektes zusammen und lassen die gemeinsame Zeit noch ein mal revue passieren. Es wurde nicht nur gemeinsam Kunst geschaffen und verschiedene Ausstellungen auf die Beine gestellt, auch Freundschaften haben sich entwickelt, Sprachen wurden gelernt und neue Blickwinkel geschaffen. Alles erscheint in einem neuen Licht nach Abschluss dieses Austauschs.

Von meiner Seite aus bleibt nur ein herzliches Danke auszusprechen an alle beteiligten!
15
September
Franziska Pohl Franziska Pohl
Studentin der Kunsttherapie
22.10.1987

Die Zeit ist ein Sprinter...

Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Nun befinden wir uns schon am Ende des Austausches und können auf zwei Wochen voller Kunst, Stress, Pendeln, Freude, Spaß und gutes Essen zurück schauen. 
Wir habe es geschafft innerhalb von drei Tagen, die eigentlich nicht einmal drei waren, unsere Ausstellungsprojekte gemeinsam für den Velada-Remix auf die Beine zu stellen und eine Ausstellung mit einzelnen Arbeiten von uns im Level one in Hamburg zu eröffnen. Außerdem scheinen wir es geschafft zu haben geiles Essen zu kochen (vielen Dank an dieser Stelle an alle, die in der Küche fleißig mitgeholfen haben), einen Einblick in die deutsche Geschichte zu gegeben und einige Kunstausstellungen in Hamburg und Bremen zu besuchen - ein Kulturflash.


09
Juli
Franziska Pohl Franziska Pohl
Studentin der Kunsttherapie
22.10.1987

Was inzwischen passiert ist...

Venezuela und die Velada liegen schon wieder eine ganze Weile zurück. Der Studienalltag hat uns schnell wieder eingeholt, die Kontakte nach 'drüben' sind jedoch bei einigen immernoch rege...

Unser Studium Generale im Juni mit Bericht über unsere Projekte während der Velada und besonders ein von Lio und Nora zusammengeschnittener Film haben uns, und bestimmt auch einigen Zuhörern, Maracaibo (wieder) näher gebracht. Der Cuba Libre-danach sorgte dann noch für den letzten Rest- an Venezuela-Feeling.
Dieses konnten wir auch beim Hochschulfest überzeugend mit Salsa-Musik, Empanadas, Frucht-Shakes und Co vermittlen und nebenbei weiter eifrig Geld sammeln.
Unsere nächste Aktion (am 19.7.) ist eine Veranstaltung -mangelware- in der Spedition am Bremer Güterbahnhof mit Siebdruck, (Fahrrad)Flohmarkt, Live-Musik und natürlich lecker Essen, dessen Einnahmen unter anderem unserem Projekt zugute kommen werden.

Einiges ist noch zu tun, bevor die ca. 15 Venezolaner Anfang September zum großen Teil das erste Mal deutschen Boden betreten werden. Wir wollen ihnen gerne die Gastfreundschaft bieten, die wir auch in ihrem Land genießen durften..

Carolin


 
25
April
Lionel Tom
Student der Theaterpädagogik

Ende im Gelaende

Schliesslich sind wir doch noch aus Merida weg gekommen. Die Lage ist einige Tage nach der Wahl insgesamt ruhiger. Jeden abend um 8 klopfen die Oppositionsanhaenger_innen auf Toepfe und Pfannen und bringen mit dem vereinten Laerm ihren Unmut zum Ausdruck. Alle Maduro-Gegner_innen sind sicher: Die Wahlen waren gefaelscht. Die Chavistas versuchen mit Raketen und Boellern den Laerm zu uebertoenen. Eine akustische Schlacht. Wir haben die Stadt hinter uns gelassen und die letzten Tage am Karibikstrand in dem Kakaooertchen Chuao verbracht. Nochmal ueberm Feuer kochen, die Haut knackig braun backen und Seeluft atmen. Zuletzt fuhren wir trotz angeschlagener Maegen 2 Stunden mit dem Schnellboot nach Caracas. Und jetzt: vom Boot in den Flieger! Wehe es ist nicht Sommer in Deutschland... ich wuerde noch hier bleiben.
16
April
Lionel Tom
Student der Theaterpädagogik

Miste, wir sitzen doch fest...

Selbst die wenigen geplanten Busse fahren nicht. Wir muessen wohl oder uebel erstmal in Merida bleiben. Die Menschen sagen uns, dass sich die Situation in den naechsten Tagen eher verschaerfen wird. Fuer Mittwoch hat die Opposition grosse Demonstrationen geplant. Maduro hat bereits angekuendigt, diese Demonstrationen verbieten zu wollen. "Ich werde den Marsch im Zentrum von Caracas nicht erlauben. Wir erlauben nicht, dass sie Blut auf den Straßen von Caracas vergießen. Wenn Sie mich stürzen wollen: Ich bin hier mit dem Volk in den Straßen". Das klingt nicht gerade deeskalierend und ist wohl auch nicht so gemeint. Uns wird geraten das Stadtzentrum ab den spaeteren Mittagsstunden zu meiden. Fuer uns ist es zwar schade, dass wir nicht unseren Reise wie geplant fortsetzen koennen, die wahren Leidtragenden sind aber Familien, die nicht nach hause kommen, Menschen, die nicht einfach in ein Hostel einchecken koennen und die Busfahrer, die rauchend und gelangweilt dem Verkehr zuschauen...


16
April
Lionel Tom
Student der Theaterpädagogik

Gefahr?

wir sitzen in Merida am Busbahnhof und koennen nicht dahin, wo wir hin wollen. Aufgrund der aktuellen Gefahrenlage in Venezuela fahren heute keine Busse. Vielleicht morgen... Wenn hier keine Busse fahren, geht mensch nicht einfach zum Bahnhof, sondern mensch sitzt fest. Die Wahlen sind vorbei, fast 80 Prozent Wahlbeteiligung im ganzen Land. Etwas mehr als die Haelfte der Stimmen gehen an den Chavez-Nachfolger Maduro. Die Strassen Meridas haben an einigen Stellen noch schwarze Brandflecken von den gestrigen Ausschreitungen. Muellabfuhren raeumen Glassplitter weg, Maduros Gesicht fordert immer noch an zahlreichen Waenden zum waehlen auf. Eigentlich sieht sonst alles normal aus, nur eine Menschenmasse in der Strasse zeigt, dass hier etwas rumort. Eine spontane Demonstration der Capriles-Anhaenger_innen fordert nach wie vor einen Wechsel und jetzt eine Neuzaehlung der Stimmen. Viele sprechen von Wahlbetrug, von Diktatur. Der Oppositionskandidat erkennt das Wahlergebnis nicht an, mobilisiert seine Unterstuetzer_innen und bekommt Rueckhalt aus den USA. Auch Maduro mobilisiert seine Anhaenger_innen, ordnet nach dem Wahlsieg eine Woche Feierei an und warnt die Opposition vor Putschversuchen. Inzwischen haben die Ausschreitungen in den Grossstaedten Tote zur Folge. Die Polizei geht mit Traenengas und den ueblichen Mitteln zur Bekaempfung von Aufstaenden gegen Demonstrant_innen vor. Viel gefaehrlicher sind aber die verfeindeten Lager gegeneinander. In der Nacht nach dem Wahlsieg lernen wir auf der Strasse eine feiernde Gruppe von militanten Chavisten kennen. Sie gehoeren einer Art Inland-Guerrilla an, eine Truppe von bewaffneten Chavisten, die sich als Verteidiger der Revolution beschreiben. Ein etwa 40-jahriges Mitglied, bricht in Traenen aus, als er Chavez huldigt, ein anderer beschreibt, wen es zu toeten gilt. Ein Fanatismus, wie er zu einer Diktatur passen wuerde. Trotzdem teile ich nicht die Meinung, dass es sich hier um eine Diktatur handelt. Die Opposition demonstriert auf der Strasse, jeden abend um acht Uhr klopfen Regierungsgegner auf Pfannen um ihren Unmut laut zu machen, die Menschen koennen sagen was sie denken und es auch offen zeigen. Genauso galubhaft ist es, dass bei den vielen Anhaengern des Chavez und der "bolivarischen Revolution", die das Stadtbild praegen, tatsachlich gut 50 Prozent fuer den Sozialismus des 21. Jahrhunderts gestimmt haben. Weniger Demokratisch sind aber die Mittel, die den einzelnen Lagern zur Verfuegung stehen. Eine auf Chavez zugeschnittene Verfassung, in der sich jetzt Maduro bewegen kann, Ein stark uebergewichtiger Wahlkampf der Roten und eine sehr praesente Mediendominanz der Chavist_innen, tragen nicht gerade zur demokratischen Verstaendigung der gespaltenen Bevoelkerung bei. Es sieht so aus, als koennte Maduro die Ideologie von Chavez und die gesetzten, auf dem Papier vielversprechenden Ideale verteidigen, wenn er in Zukunft ein paar Schritte auf die Kritiker und die Opposition zugeht. Wenn nicht, werden sich die Auseinandersetzungen wohl weiter auf die Strasse tragen.

Schlecht fuer uns, denn wir wollen weiter fahren und Theater in der Strasse machen. Im Moment heikel, weil das Theater hier groesser ist.

Gerade eben haben wir doch ein paar Plaetze in einem Bus ergattern koennen und kommen wohl zumindest nach Valencia. Eigentlich wollten wir nach Maracai, um von dort nach Choao zu fahren und noch ein paar Tage mit Strand und Theater zu verbringen, bevor der Rueckflug in Caracas ruft. We will see....
bis denne, lio
14
April
Jarah Fäth
Studentin der Kunsttherapie

Kurz vor Schluss.

Wir vier, sind inzwischen wieder in Maracaibo angekommen. Genau in einer Woche geht es zurueck nach Deutschland.

Wir  verbringen viel Zeit mit unseren Velada-Freunden und haben in den letzten Tagen an einer Kunstprojektwoche teilgenommen. Disciplinas errantes. Ein Austauschprojekt zwischen jungen Kuenstlern  von hier und jungen Kuenstlern  aus Frankreich. Abends gab es Ausstellungen an verschiedenen Orten, Performances, Kunstwerke an denen man sich selber beteiligen konnte und natuerlich Fiestas. Unter Tags sollte ein kuensterlischer Austausch entstehen, kuenstlerisches Koennen anhand von verschiedenen Workshops weitergegeben werden.  Wir haben bei einem Zirkus-Workshop mitgemacht in dem sich alles um den Clown drehte. Zwei Clowns aus Maracai, die schon in der ganzen Welt umhergetingelt sind, haben uns  verschiedene Charaktere des Clowns gezeigt und  nahegebracht. Sie haben uns viel ueber das Lustigmachen ueber sich Selbst  erzaehlt. Und ueber das Entwickeln eines Charakters berichtet.Der Workshop war nicht nur wegen der koerperlichen Aktivitaet sehr anstrengend. Wir wurden heraugefordert ueber unsere eigenen Grenzen zu gehen. Z.B. die Aufmerksamkeit einer ganzen Gruppe auszuhalten, die schon fast alle mit Theater vertraut waren, sich innerhalb von ein paar Minuten in eine Rolle hineinzugeben und sich damit zu zeigen, oder sich innerhalb von ein paar Minuten ein kleines Stueck auszudenken.  Eine Aufgabe zum Beispiel bestand darin, sich hintereinander in 3 verschiedene Emotionen zu begeben. Froehlichkeit, Traurigkeit und Wut. Sich in die Emotionen hintereinander einzufuehlen und sich  mit der Emotion auf irgendeine Weise zu zeigen. Sich mit einem Satz, der Stimme, den Gesichtszuegen und der Koerperhaltung darzustellen. Anschliessend wurde man beurteilt, kritisiert oder gelobt.

Am Ende waren wir alle froh, in dieses Thema hineingeschnuppert zu haben, gluecklich darueber  einige Male an diesem Tag ueber unsere Grezen gegangen zu sein und  ziemlich muede durch die vielen neuen Eindruecke und Erlebnisse.

Heute sind Wahlen.  Manche sind freudig aufgeregt, andere eher nervoes und aengstlich. Aufjedenfall sind alle gespannt wie es hier weitergehen wird.

11
April
Lionel Tom
Student der Theaterpädagogik

was hier abgeht...

Das Theaterprojekt mit Luz de Luna war nicht nur ein naechster Schritt auf der Theatertreppe, sondern auch ein Einblick in eine Theaterszene, wie ich sie noch nicht kannte, jetzt aber suchen oder bauen will. Wir haben einen grossen Rucksack voller neuer Uebungen, Anstoesse und Muskeln. Auch im Anleiten konnten wir neue Erfahrungen sammeln und es war eine Genugtuung, dass es unseren Freunden, bei den akrobatischen Figuren, auch mal an Koerperspannung mangelte. Hoehenangst auf den Schultern... Ha! Es ist eben alles Uebungssache. Somit lassen wir was zum ueben in Bogota und nehmen gleichzeitig ein ganzes Studium mit. Wenn dit ma keen Austausch is, wa?
Die Meute ist uns gefaehrlich nah ans Herz gewachsen und erste Ueberlegungen der Wiederkehr machen sich bereits vor der Abreise in unseren euphorisierten Koepfen breit.

Wir kommen auch noch auf politische Themen zu sprechen und erfahren, dass eine linke, sozialistische oder kommunistische Einstellung in Kolumbien oft bedeutet, mit den terroristischen Guerrillas gleichgesetzt zu werden. Wir sprechen ueber den Konflikt der gegeneinander kaempfenden Gruppen in Kolumbien und bekommen auf der Landkarte Regionen gezeigt, in den die Landbevoelkerung es schafft, sich zu organisieren. Fuer ihr Land, fuer gerechte Verteilung und Autonomie. Das besondere: dort klappt eine Organisierung ohne Anschluss an die grossen und dominanten Gruppen, die die meisten Landstriche dominieren. Ein Luz de Luna Freund wuenscht sich mehr solcher Bewegungen, ueberall, ohne die vorbelasteten Truppen von Farc-EP, ELN oder den Paramilitaers.

Mit den Erkenntnissen unserer ersten Strassentheaterversuche koennte ich sowohl aus Sicht des Regisseurs, als auch aus Sicht des Spielers und des Publikums, Buecher fuellen. Vielleicht mache ich das auch noch. Erstmal steht fest, dass kaltes Wasser eine sehr fruchtbare Grundlage fuer eine erfolgreiche kuenstlerische Entwicklung sein kann. Da wird was draus!

Von Bogota fahren wir nach Maracaibo, wo wir es uns nach 48 Stunden Busreise nicht nehmen lassen, unsere Homies vom Velada-Projekt wieder zu sehen. Bevor wir uns mit dem ganzen Mob vereinen, fahren drei von uns noch zu einem grossen Event. Ein fett aufgezogenes Konzert der Regierung, in Gedenken an den verstorbenen, viel gefeierten Chavez, mit populaeren Bands. Hauptact fuer den Abend ist die anarchistische Skaband SKA-P aus Spanien, die zum ersten Mal in den Strassen Maracaibos spielen wird. Der Veranstaltungsort, eine komplett abgeriegelte Strasse. Grillschwaden verdicken die Luft. Viele junge Menschen, ein sehr gemischtes Publikum, nur die Grosseltern sind zuhause geblieben. Volksfestcharakter. Empfangen werden wir von der veneuelanischen Nationalhymne, die weite Teile der Masse (auch  augenscheinliche Antinationalist_innen) lautstark mitsingen. Auf riesigen Leinwaenden das Gesicht von Chavez, sowie ein Schriftzug fuer seinen Nachfolger Maduro. 

Bis zur Wahl fuer den neuen Praesidenten sind es noch ca. zwei Wochen. Ueberall sind die bolivarischen Farben zu sehen, die angrenzenden Haeuserwaende tragen bunte Bilder zugunsten des Verstorbenen. Es ist eine Gedenkveranstaltung und gleichzeitig ein rauschendes Fest fuer die jungen Menschen. Der Eintritt ist wieder frei, die Motivation und Ausrichtung klar politisch. Bei dem Anblick dieser Inszenierung, dem Geraeusch der Hymnen und den euphorisierten Jugendlichen wird uns der Magen flau. Nicht weil wir genau verstehen was hier passiert, vielmehr, weil wir automatisch den Vergleich zu den uns gewohnten Strukturen ziehen, was uns zusammen mit unserem Geschichtverstaendnis Unwohlsein bereitet. Es handelt sich ohne Verheimlichung um eine Propagandaveranstaltung der nationalen Regierung. Uns ist befremdlich, dass tausende das mitmachen, mitsingen und unterstuetzen. Zwei Animateure heizen die Menge von der Buehne aus mit Chavez-Parolen ein. "PATRIA, PATRIA" (Vaterland) wird ebenso lautstark gebruellt, wie Sprechchoere fuer die Partei und die fortlaufende Revolution. Ich kenne diese Sprechchoere, die Eigendynamik. Stand selbst oft mit erhobener Faust in einer Gruppe, fuer ein Ideal ein, oder im Protest. Das es sich dabei aber um die Linie der Staates, der Regierung handelt, die fuer mich und meine Freunde ein reisserisches Szenario veranstaltet, kommt mir arg ungewohnt vor.

Ebenso befremdlich ist mir die Vorband von SKA-P, die in den staatsfarben und mit parteitreuen Sprechchoeren dem Event einen jugendlichen und kultigen Charakter verleiht. Wenn ich das Lied "VENEZUELA" auf mein Herkunftsland uebersetzen wuerde, muesste ich auf die Buehne rennen und dem Saenger das Mikro ueber die Ruebe ziehen.
In spaeteren Gespraechen und mit einer genaueren Befassung der hiesigen Situation und Geschichte, wird mir aber klar, dass der schnell zu Hilfe gezogene Deutschlandvergleich, angewendet auf Venezuela, einfach nicht funktioniert. Jahrelange europaeische Kolonialdominanz, sowie anschliessende Wirtschaftsdominanz der Industriestaaten, koennen ein Nationalbewusssein als Folge haben, dass aus anderen Motivationen begruendet ist. Anders als z.B. ein deutsches Nationalbewusstsein, ist das Nationalbewusstsein hier, wie ich mir spaeter erklaeren lasse, vielmehr ein Ruf nach Freiheit und Unabhaengigkeit. Ein Versuch sich aus den Faengen imperialistischer Herrschaft zu befreien und einen sozialen Gegenentwurf als Vorzeigebeispiel fuer die WElt zu gestalten. Ein deutsches Nationalbewusstsein hat im derzeitigen System vor allem den Charakter der Abgrenzung gegenueber der Schwaecheren, der Erhaltung des Status und den Solz auf... ja was eigentlich...?

Auf meine Frage, wie Freiheit mit einem Nationalstaat erreicht werden will und ob Abgrenzung der Weg der Verstaendigung und beispielhaften Vorzeigepolitik sei, bekomme ich verschiedene Antworten. Zum einen wird immer wieder erwaehnt, dass ein erster Schritt in die "richtige" Richtung, nicht gleich alle Faktoren des angestrebten Ziels beruecksichtigen kann. Zum anderen wird mir erklaert, dass dieser Versuch der Revolution ohne Abgrenzung garnicht moeglich ist, solange Nationalstatten um diese Idee herum, den revolutionaeren Kampf mit ihren Mechanismen sabotieren. 
Das ergibt im nationalstaatlich gedachten Rahmen und realpolitisch erstmal Sinn. Zumindest solange mensch von einem entweder/oder Denken ausgeht. Bei der anstehenden Wahl wird es nur entweder/oder geben. Ich frage ob den Menschen diese Optionen genuegen, denn mir genuegen sie nicht. Wo sind dritte Wege? Organisierung mit Gleichdenkenden?
SKA_P verleiht haut diese Ueberlegungen mit Nachdruck durch die Boxen. Vorher der Lobgesang auf Chavez und den Staat, jetzt ein anarchistisches Fest der besten Sorte. Hae? Die gleichen Leute tanzen und feiern. SKA_P singt von Antikapitalismus, gegen Staaten und fuer die Legalisierung von Marihuana. Fuer ein freies Leben ohne Herrschaft, in einer katholischen Kutte, mit Teufelsmaske und eim Dreizack zwischen den Beinen. Im Hintergrund auf der Leinwand sind Riot-Videos aus Griechenland und Heiligendamm zu sehen. Mollis von Anachist_innen gegen den Staatsapperat, hier, von den Menschen als antikapitalistischer Erfolg in Europa gefeiert.
 Einerseits bin ich ein wenig erleichtert, dass auch anarchistische Inhalte hier Platz finden, andererseits erschrocken, dass sich diese Inhalte so einfach fuer einen Staat instrumentalisieren lassen.
Was hier abgeht...

Spaeter treffen wir mit unseren Velada-Freunden zusammen. Prahlen mit unserem neu erworbenen Spanisch und freuen uns herzlich.

Nach Maracaibo fahren wir mit Mafi aus Maracaibo nach Merida. Erstmal n bisschen Bergluftschnappen. Der augenscheinlich rot und Maduro dominierte Wahlkampft ist inzwischen ueberall allgegenwaertig. In unserer Herberge machen wir Theater, in den Bergen klettern wir auf ueber 4000 m und werden Zeuge, der atemberaumbenden Anden. Eine Natur, dass ich ihr gerne wochenlang meine Aufmerksamkeit schenken wuerde. Ein Teil von uns irrt durch alle Geschaefte Meridas um einfache Dinge wie Klopapier, Mehl oder Oel zu bekommen. Nix da, trotz Schlange stehen. Die Leute schimpfen auf der Strasse: "Darum muessen wir wahlen gehen...!" Seltsam einerseits teuren Wahlkampf zu betreiben, anderseits die Versorgung nicht staemmen koennen. Nicht klug vor der Wahl. Ueberall Pepsi, aber keine Kackpappe! WErden darum so viele Wahlpapierplakate von den Waenden gerissen?


Wir erleben Tage des hohen Pulses. Wir sind teilweise bei ueber 250, wenn wir durch die duenne Luft einen Steinbrocken hochkraxeln. Bei vielen Venezuelandern schlaegt das Herz auch hoch, wegen der anstehenden Entscheidung. Ueberall im Strassenbild rote T-Shirt, Aufschriften auf Hausern und Autos. Grosse Gruppen ziehen wahlkaempfend durch die Stadt. Es geht halt nicht um Merkel oder Schroeder, sondern um totale Veraenderung des Bestehende, bzw.um die Fortfuehrung einer Idee.

Wir machen weiter Theater sind gespannt auf die Entwicklung und hoffen, dass die Strasse in dieser heissen Phase auch noch Platz fuer unser Spiel laesst.
Bis denne
06
April
Nora Dilling
Studentin der Kunsttherapie

20 Tage Bogota

behaupte, dass uns die Herzen bluten. Wenn Abschied weh tut, dann ist alles Richtig gelaufen! Mit einem fetten Koffer voller Erfahrungen, neu errungenen Skills, Eimern  voller Schweiss, hunderte Bilder lachens und mit 5 neu entwickleten Masken-Figuren geht es jetzt wieder Richtung Venezuela ! 

Bogota raubt uns auf 2800 Metern nicht nur dem Atem, somdern auch jegliches Zeitgefuehl. Fast 20 Tage big city live liegen hinter uns. Mit den Leutz, mit unseren neu dazu gewonnenen Freund_innen von Luz de Luna, sind wir in das bogotanische Strassentheater-Mileu eingetaucht. Wenn wir gerade nicht mit Stelzen die Berge Bogotas erklommen, mit hardcore Training unsere  Muskeln zum zittern brachten oder wir alle zusammen Masken erarbeiten, waren wir im Theater, schauten bei Theater-Workshops zu oder erprobten bei Cuba Libre unsere Salsa-Tanzbeine. Nicht zu vergessen, unserer unzaehligen gemeinsamen Fressflashs. Klar, wer viel arbeitet, muss vie lessen ! Im Luz de Luna Haus versorgte uns die 70 jaehrige Maria mit typischen kolumbianischen Koestlichkeiten.

Wahrscheinlich konnte unser Besuch bei Luz de Luna nicht unpassender sein. Luz de Luna steckt bis oben hin voll Arbeit. Gleichzeitig ist dies wohl das Beste was uns passieren konnte. Die Arbeit mit Luz de Luna ist unter keinem Blickwinkel ein gewoehnlichen Praktikum. Fuer mich war es ein Austausch, ein gegenseitiges Kennenlernen, ein Mitschwimmen in der Strassentheater-Arbeit und ein sich ergaenzendes Nebeneinanderarbeiten. Zu jeder Zeit durften wir die Reaumlichkeiten des Luz de Luna Haus nutzen und an den Regierprojekten von Lio und Gilda arbeiten.

Neben der ganzen alltaeglichen, organisatorischen Arbeit und die Erarbeitung einer neuen Performance, standen noch ein  ein-woechiger Theater-Workshop an. Am Ostersamstag praesentierten sich dann 40 verkleidetet Teufel, tanzend, kriechend, rollend zu Samba-Trommeln durch die fette Septima Calle. Immer wieder gibt es spots an denen einstudierte Choeografien gezeigt wurden. Der Wahnsinn !

Auch wir standen mit unseren Masken und Figuren auf der  Strasse. Oder besser gesagt legten wir eine feine Improvisation von  gescheiterten Strassenmusiker_innen hin. Eine Gruppe von wild durchmischten  Touris  versucht Geld fuer die Rueckfluege zusammeln. Das die meisten der Figuren ueberhaupt kein Musikinstrument spielen koenner, versuchen sie mit Liedern von den Backstreetboy wieder fit zu machen. (….) Tatsaechlich amuesierten sich ueber 50 Passanten_innen ueber unsere Show und einige Pesos landeten in unserem Hut (…)

Im Weiterem checkten wir noch die Uni international aus. Fettes Uni-Gelaende, voll geschmiert mit politischen Parolen. Ein riessen Cmpus fuer 40.000 Studierenden ! Jetzt heist es Abschied nehmen. Ciao Bogota, hasta luego Luz de Luna und bye bye zu all unseren Consorten mit denen wir Tag und Nacht die Strassen Bogotas durchstoeberten !

03
April
Giulietta Scheer
Studentin der Kunsttherapie

CUBA WE LOVE YOU

Nun sind wir schon wieder in Europa angekommen, wollten aber dennoch euch von unserer Zeit dort berichten.
Als wir ankamen am Flughafen erreichte uns zu allererst die Nachricht, dass der Venezuelanische Präsident Chavez gestorben sei. In Cuba haben wir keine negativen Reaktionen mitbekommen. Die Konsequenz bestand darin, dass wir drei Tage lang keine Musik im Radio oder auf den Straßen zu hören bekamen. Wir übernachteten in einem casa particulares, wo wir eine nette Eigentümerin hatten, die uns wie eine Mutter umsorgte. Das Ambiente in Kuba ist unschlagbar und es gibt noch richtige Gentelmänner 
Nach einem Strandaufenthalt wurden Malou von einem netten Cubaner die Beine entsandet und mir wurde ein Taschentuch vor die Füße gelegt, wodrauf ich beim Hinuntersteigen des Bordsteins drauf treten sollte. In den Straßen gab es für die Landeswährung (peso cubano) günstiges Obst und Gemüse einzukaufen und alles andere bezahlten wir mit der Touristenwährung (peso convertible, kurz CUC). Im Gegensatz zu 
Venezuela gab es in Cuba so gut wie keine Internet Cafe´s, die einzige Chance war in einem Hotel, wo dann aber eine Stunde gleich 10 CUC kosten sollte, was umgerechnet ca. 8 € sind. Zudem war das Internet sehr langsam und so entschlossen wir uns für die Zeit auf Cuba out-of-order zu sein. Unser eigentliches Ziel war es ein Sandprojekt zu starten, über das Malou in dem nächsten Beitrag etwas erzählen wird.

Abschließend war es eine wunderschöne Erfahrung und wir wissen jetzt schon, dass es nicht unser letzter Besuch auf Cuba war.

Adios amigas y amigos 

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